Allzweckreinigerinnen, 2007/08
21.01.2008 ...
foto von putzfrau
„Den Rest macht hoffentlich die Putzfrau!“
(Zitat einer Kunststudentin, die meinen Kaffee ausgeschüttet hatte und die Pfütze nur notdürftig wegwischte)

Ich versuche die prekären Arbeitsbedingungen durch jenen Kernbereich gesellschaftlich notwendiger Arbeit darzustellen,
auf den niemand verzichten kann und will. Reinigungsarbeit ist notwendig und lebenserhaltend. Trotzdem wird sie miss-
achtet und nicht zur Kenntnis genommen.
Aus allen Teilen der Welt kommen Frauen in die westlichen Industriestaaten um diese Tätigkeiten zu verrichten, die seit
Jahrhunderten als weiblich gelten.
Migrantinnen erfahren neben den gesetzlichen Hürden am österreichischen Arbeitsmarkt oft noch mehr Benachteiligungen
als männliche Zuwanderer. Sie sind nicht nur aufgrund der ausländischen Staatsbürgerschaft Diskriminierungen ausgesetzt
 sondern haben es auch als Frau deutlich schwerer. Durch immer wieder auftretende Stigmatisierungen und Rassismen ver-
lieren Einwanderinnen ihr Selbstvertrauen und akzeptieren es, putzen zu gehen auch wenn sie hoch qualifiziert sind.
In meiner künstlerischen Arbeit werden fünf Frauen gezeigt, die verschiedenen Putztätigkeiten nachgehen.
Die Darstellungen unterscheiden sich durch ihre Haltungen und auch durch äußere Attribute welche verschiedene Nationalitäten andeuten.
Durch Erlebnisse mit Mitmenschen ist mir aufgefallen, dass man die Wahrnehmung von Putzfrauen in unserer Gesellschaft
analog setzen kann mit den Erzählungen von Heinzelmännchen/fräuleins. Sie verrichten die Arbeit, die keiner machen will zu
   einer Uhrzeit, wo sonst niemand anzutreffen ist. Durch diesen Vergleich entschied ich mich auch für die Größe der Figuren.
Bei der Farbgebung und Präsentation der Plastiken war es mir wichtig auf die Unauffälligkeit, deretwegen Reinigungskräfte auch oft
  „dienstbare Geister“ genannt werden, hinzuweisen und beließ den Ton deshalb so wie er aus dem Ofen kommt ohne eine weitere
  Behandlung der Oberfläche. Eine typisch museale Präsentationsform würde ebenfalls diesen Eindruck des Geisterhaften zerstören.
Die Verwendung von realen Putzutensilien schafft einen Kontext zum eigenen Erleben,
da jede/r schon selbst Erfahrungen mit Reinigungsarbeiten gemacht hat.



foto von 4 putzfrauen



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