Dr.in Martina Gelsinger, Kunsthistorikerin, über die Arbeit Working Class Heroes, 2011:

 

In Reih und Glied treten die Figuren in Elke Punkt Fleisch´s Serie Working Class Heroes der BetrachterIn entgegen. Es sind maskuline Gestalten mit grobschlächtigen angedeuteten Gesichtern und leicht abstehenden Ohren. Eine Arbeiterkolonie, bereit zum Verputzen der soeben aufgemauerten Ziegelwand. Figurenstereotypen von hart arbeitenden Männern, wie sie uns auf Baustellen landauf landab begegnen.

Als hätten sie sich soeben am Feierabend vom bequemen Fernsehsessel erhoben oder wären aus dem Schlaf aufgewacht, treten uns die Männer barfuß in bunten Pyjamas, Unterhemden und Schlafmänteln gegenüber.

Selbstbewusst stehen sie breitbeinig auf ihren Podesten aus Ziegelsteinen. In den Händen halten sie Werkzeuge.

Heroen im Pyjama? Moderne Heiligenfiguren mit ihren Attributen?

Bei Elke Punkt Fleisch sind die Sockelfiguren keine Saints sondern Heroes.

Statt Kelch, Schlange oder Turm tragen sie Maurerkelle, Wasserwaage und Kübel in den Händen. Statt in golden gefasste Gewänder sind sie in blau karierte Schlafanzüge gekleidet. Statt sich in Siegerposen zu brüsten erwecken sie mit ihrem starren Blick und den herunterhängenden Armen einen erschöpften Eindruck.

Eine Abordnung von Bauarbeitern: Untertags unermüdlich auf der Baustelle, in der prallen Sonne in schwindelerregenden Höhen, mit Mörtel beladener Schubkarre. Abends fallen sie ins Bett für ihren Traum – sie träumen vom guten Leben, sich etwas aufzubauen und es mit eigener Kraft zu etwas zu bringen.

 

Elke Punkt Fleisch greift im formalen Aufbau ihrer Serie Working Class Heroes auf eine klassische Kategorie der bildhauerischen Arbeit zurück: Es ist eine Referenz auf das Monument als ein Denkmal, das die Erinnerung an ein bedeutendes Ereignis oder eine wichtige Persönlichkeit lebendig halten soll. Zugleich stellt die Künstlerin mit den Bauarbeitern, die auf Ziegelpodesten stehen, auch Heroentum und Repräsentation in Frage - Eigenschaften, die einem Monument zugeschrieben werden. Statt die Einzigartigkeit von Person und Ereignis zu unterstreichen, lässt die Künstlerin gleich eine ganze Mannschaft antreten. An die Stelle des Materials als Trägerin von Repräsentation stellt sie Werkstoffe, die an den Arbeitsalltag der Männer erinnern: Sand, Zement und Schotter statt Marmor, Gold und Bronze.

In Working Class Heroesführt Elke Punkt Fleisch Eigenschaften und Funktionen von Monumenten ad absurdum und macht deutlich: Die wahren Heroen sind mitten unter uns: barfuß, in Pyjamas, unermüdlich im Einsatz. Ihre Investition ist der eigene Körper. Ihr Ziel ist ein gutes Leben. Im Wettlauf mit Maschinen, Technik und allem, was die eigene körperliche Arbeit ersetzt. Der Körper als Zugmaschine in die Träume.

 

 

 

Franco Bertoni, dem Kurator für Moderne am Museum in Faenza (bei Ravenna), über meine Arbeit Working Class Heroes, 2010:

 

"Auf einer Säule aus modernen Backsteinen steht ein Held der Gegenwart - stark und ohne jede Patina. Die gelungene Skulptur eines Mannes, der in welcher Kleidung auch immer derselbe bleibt - schauen Sie nur in sein Gesicht!

Ein Moment der Möglichkeiten."

 

 

 

Vass. Mag.art. Cecile Dujardin, Universität für Angewandte Kunst in Wien, 2010:

 

"Elke Punkt Fleisch´s work cannot be reduced to a particular style. The artist moves light heartedly back and forth between realism and abstraction with a special interest in room installations. In her works great emphasis is given to the dialectic between words and imagery.

 

Her topics revolve around the individual, which is rendered anonym through the behavioural patterns and sensitivities caused by the social structures. 

 

her project Reigen includes all of the above aspects. The objects emerge in interaction between various pairs of players, expressing a longing for encounter, but also a fear of closeness."